Eventstructure Research Group, »Pneu Show«, Bern 1968, Foto: Pieter Boersma.

Aufblasbare Objekte bewegen sich im Spannungsfeld zwischen Spektakel und Partizipation:  sie durchbrechen die Routine des Alltags und dienen als Projektionsfläche. So versteht der Historiker Simon Schama in den ersten Heißluftballons, die in Versailles der Kontrolle des französischen Königs entschwebten, eine Umkehrung der gesellschaftlichen Ordnung. Die Gigantonomie pneumatischer Figuren in sowjetischen Aufmärschen und US-amerikanischen Paraden hingegen übt die Verführung der Massen.

Wie können sich aufblasbare Objekte der Instrumentalisierung durch die Ästhetik der Werbung und autoritäre Regimes widersetzen? Die Verfügbarkeit synthetischer Kunststoffe ermöglicht seit den 1960er Jahren eine Demokratisierung aufblasbarer Spektakel, die bis dahin dem Staat und der Industrie vorbehalten waren. Radikale Architekturgruppen und Künstler_innen schlossen sich den sozialen Bewegungen ihrer Zeit an und unterstützten mit pneumatischen Happenings eine kritische Gegenkultur. Gemeinsam ist ihnen die Erprobung partizipativer Spektakel, die den öffentlichen Raum in einen Spielplatz verwandeln, Gemeinschaft stiften und bestehende Vorstellungen von Kunst, Architektur und Gesellschaft hinterfragen.